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# Einführung und Mandantenanliegen

## Direktstart: lesen, entscheiden, liefern

Beginne nicht mit einem Fragenkatalog. Wenn Material vorliegt, lies es zuerst und starte mit einer verwertbaren Arbeitshypothese:

- Frist oder Sofortrisiko.
- erkannte Rolle, Zielrichtung und Verfahrensstand.
- tragende Tatsachen aus dem Material.
- bester nächster Arbeitsschritt mit direkt nutzbarem Output.

Frage höchstens einen blockierenden Punkt nach, und nur wenn ohne diese Antwort der nächste Schritt falsch oder riskant würde. Fehlt Material vollständig, verlange nicht allgemein alle Unterlagen, sondern nenne die drei wichtigsten Dokumente und arbeite mit sichtbaren Annahmen weiter.

Starte mit einem Arbeitsprodukt, nicht mit einer Inventarliste: Kurzvermerk, Fristenblatt, Prüfmatrix, Entwurf, Fragenliste oder Entscheidungsvorschlag. Routing ist nur Mittel zum Zweck. Wenn ein Fachskill eindeutig passt, arbeite unmittelbar in dessen Richtung weiter.

Arbeitsmodus: Liefere zuerst einen nutzbaren Zwischenstand in höchstens sieben Sätzen und dann den nächsten konkreten Schritt. Frage nur nach, wenn Frist, Zuständigkeit, Beweis, Betrag oder Rechtsfolge sonst nicht belastbar bestimmbar sind. Tabellen nur für Fristen, Belege, Beträge, Varianten oder Streitstoff.

## Ziel

Den Auftrag klären, bevor das erste Wort generiert wird. Falsche Rollenannahmen führen zu einem Zeugnis, das die falsche Partei begünstigt oder das falsche Format hat.

## Eingang — was wird abgefragt

Wenn die Antwort nicht aus den Unterlagen hervorgeht, bündelt der Generator die folgenden Punkte in einer einzigen kurzen Rückfrage:

1. **Rolle:** Stellt der Fragesteller das Zeugnis aus (Arbeitgeber, HR, Ausbildungsbetrieb) oder beantragt er es (Arbeitnehmer, Auszubildender, Praktikant)?
2. **Anlass:** Beendigung des Arbeitsverhältnisses, laufendes Verhältnis (Zwischenzeugnis), Ausbildungsende, Praktikumsende, Beförderung, eigener Wunsch?
3. **Ziel:** Nur generieren, oder auch auf notenrelevante Formulierungen hinweisen?

Ohne erkennbare Rolle wird nicht stillschweigend für eine Partei entschieden. Der erste Zwischenstand trennt neutral zwischen Ausstellerfassung und Berichtigungsziel; nur die eine blockierende Rollenfrage bleibt offen.

## Fünf Pflichtweichen vor dem ersten Entwurf

Wenn der Nutzer nur "mach ein Zeugnis" sagt und keine Unterlagen erkennbar sind, bündele diese fünf Punkte in einer kompakten Eingabezeile und liefere zugleich eine erste Struktur:

| Weiche | Warum sie zählt | Mindestantwort |
| --- | --- | --- |
| Funktion | steuert Tätigkeitsblock, Hierarchie und Unterschrift | letzte Positionsbezeichnung und Führungsspanne |
| Aufgaben | verhindert austauschbaren Text | fünf bis acht prägende Tätigkeiten |
| Leistungsstufe | legt Hauptformel und Beweislast fest | Note 1 bis 5 oder belegte Tendenz |
| Verhalten | getrennte Bewertung gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Kunden | Standardreihenfolge und Besonderheiten |
| Sonderzweck | Zwischenzeugnis, Bewerbungsdruck, Vergleich, Beförderung, Ausland | Zweck mit gewünschtem Ton |

Fehlt eine Antwort, arbeite mit einem markierten Platzhalter weiter. Nur die Leistungsnote und ein Sonderzweck mit rechtlicher Außenwirkung dürfen den Entwurf stoppen.

## Prüfraster

| Frage | Antwort | Konsequenz |
|---|---|---|
| Wer fragt? | Arbeitgeber/HR | Generator produziert fertige Formulierungen aus AG-Perspektive |
| Wer fragt? | Arbeitnehmer | Generator berät zu Formulierungsrechten und hilft, einen Wunschentwurf zu erstellen |
| Anlass klar? | ja | Harness (Zeugnisart) wählen |
| Anlass klar? | nein | Rückfrage nach Beendigungsdatum und Grund |

## Beispiel aus dem Quellmaterial

Ein Buchhaltungsleiter, der nach zehn Jahren aus eigenem Antrieb ausscheidet, benötigt ein qualifiziertes Zeugnis mit Führungsabschnitt, Loyalitätsaussage und vollständiger Schlussformel. Ein Praktikant nach sechs Wochen benötigt kein Führungskapitel, aber eine Aussage zu Lernbereitschaft und Engagement.

## Stolpersteine

- Arbeitnehmer reicht einen „Wunschentwurf" ein, der objektiv zu positiv ist und gegen die Zeugniswahrheit verstoßen würde. Der Generator muss auf dieses Risiko hinweisen.
- Die Rollenklärung darf nicht als langer Fragebogen umgesetzt werden — maximal eine Bildschirmseite, dann beginnt die Arbeit.
- Wird keine Rolle angegeben, nicht spekulieren: beide denkbaren Zielrichtungen knapp trennen und nur bei unterschiedlicher Rechtsfolge nachfragen.

## Anti-Muster

- Ohne Rollenklärung direkt mit Formulierungen beginnen.
- Arbeitnehmer und Arbeitgeber im selben Durchlauf beraten (Interessenkonflikt).
- Nach dem Anlass fragen, obwohl er aus den Stammdaten (Austrittsdatum vorhanden) eindeutig ablesbar ist.

## Rechtsprechungsanker für die erste Weiche

- BAG, Urteil vom 18.11.2014 - 9 AZR 584/13: Eine bessere als durchschnittliche Bewertung verlangt konkrete Leistungstatsachen; deshalb werden Belege vor Wunschformulierungen ausgewertet.
- BAG, Urteil vom 27.04.2021 - 9 AZR 262/20: Das qualifizierte Zeugnis muss individuell und zusammenhängend formuliert sein; deshalb startet der Workflow mit Funktion, prägenden Aufgaben und persönlicher Leistung statt mit einer Notentabelle.
- BAG, Urteil vom 25.01.2022 - 9 AZR 146/21: Dank, Bedauern und Zukunftswünsche sind kein zwingender Inhalt; ein Wunsch nach Schlussformel blockiert den ersten Entwurf nicht.