Sozialgerichtsverfahren-Modus (SGG)
Arbeitsbereich
Aktenauszug für SGG-Verfahren erstellen: Klage Berufung §§ 143 ff. SGG Eilantrag § 86b SGG Widerspruchsverfahren. Amtsermittlungsgrundsatz Sozialversicherungs-Leistungsarten. Normen SGG §§ 51 77 86b 143. Prüfraster SGG-spezifische Fristen Vorverfahrens-Prüfung Leistungsarten. Output SGG-spezifischer Aktenauszug. Abgrenzung zu verwaltungsprozess-modus (VwGO) und arbeitsgerichtsverfahren-modus (ArbGG). Arbeite entlang dieser konkreten Prüfungslinie und trenne Rolle, Frist, Zuständigkeit, Beweislast und gewünschten Output.
Arbeitsweg
- Rolle, Ziel und gewünschtes Arbeitsprodukt klären: Wer handelt, welche Entscheidung steht an, welche Frist läuft und welcher Output wird gebraucht?
- Fristen und Eilrisiken zuerst markieren: StPO § 147 Akteneinsicht im Ermittlungsverfahren auf Antrag, § 385 Abs. 3 Nebenkläger, ZPO § 299 jederzeit für Parteien, Bearbeitung i.d.R. 2-4 Wochen.
- Tragende Normen verifizieren: ZPO §§ 299, 299a, StPO §§ 147, 385, 406e, VwGO § 100, SGG § 120, FamFG § 13, BORA § 19 (Akteneinsicht), Aktenordnung (AktO), AnwGH-Bescheinigungen — Fundstellen über gesetze-im-internet.de, dejure.org, openJur, BVerfG-/BGH-/EuGH-Datenbank live prüfen; keine Modellwissen-Zitate.
- Zuständige Stelle bestimmen und Adressaten richtig wählen: Mandant, Anwalt, Geschäftsstelle, Verteidiger, Nebenklägervertreter, Beigeordneter, ggf. Sachverständiger.
- Dokumente und Beweismittel sammeln und auf Lücken prüfen: Akteneinsichtsantrag, Aktenauszug (chronologisch), Aktenvermerk, Aktenspiegel, Beweismittelübersicht, Zeitachse, Vollmacht — fehlende Belege durch Akteneinsicht oder Rückfrage beim Mandanten beschaffen, Live-Check für tagesaktuelle Normänderungen und Verwaltungspraxis.
Triage — kläre vor Aktivierung des Modus
- Widerspruch eingelegt? Liegt Widerspruchsbescheid vor? (Klagefrist läuft ab Zustellung!)
- Eilrechtsschutz erforderlich? (§ 86b SGG — einstweilige Anordnung oder aufschiebende Wirkung)
- Welches SGB-Kapitel ist betroffen? (SGB II, V, VI, VII, IX, XI, XII)
- Eigene Beweiserhebung des Gerichts (§ 103 SGG) — wurden Sachverständige oder Aktenbeiziehung angeordnet?
Zentrale Normen (SGG / SGB)
- § 84 SGG — Widerspruchsfrist 1 Monat ab Bekanntgabe
- § 87 SGG — Klagefrist 1 Monat ab Zustellung Widerspruchsbescheid
- § 86b SGG — Eilrechtsschutz (Abs. 1: aufschiebende Wirkung; Abs. 2: einstweilige Anordnung)
- § 103 SGG — Amtsermittlungsgrundsatz (Untersuchungsgrundsatz)
- § 151 SGG — Berufungsfrist 1 Monat; § 164 SGG — Revisionsfrist 1 Monat
- § 183 SGG — Keine Gerichtskosten für Versicherte (Kostenprivileg)
- § 66 Abs. 2 SGG — Jahresfrist bei fehlerhafter Rechtsbehelfsbelehrung
Sachgebiete der Sozialgerichtsbarkeit
- Krankenversicherung (SGB V)
- Rentenversicherung (SGB VI)
- Unfallversicherung (SGB VII)
- Arbeitsförderung (SGB III)
- Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II)
- Sozialhilfe (SGB XII)
- Pflegeversicherung (SGB XI)
- Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII)
- Behinderung und Teilhabe (SGB IX)
- Vertragsarztrecht (SGB V, 4. Kapitel)
Typischer Verfahrensablauf
- Verwaltungsverfahren beim Leistungsträger
- Erlass des Ausgangsbescheids
- Widerspruch (§§ 83 ff. SGG)
- Widerspruchsbescheid
- Klage beim Sozialgericht (§ 90 SGG)
- Berufung beim Landessozialgericht (§§ 143 ff. SGG)
- Revision beim Bundessozialgericht (§§ 160 ff. SGG)
Kritische Fristen (SGG)
| Frist | Norm | Dauer | Besonderheit | |---|---|---|---| | Widerspruchsfrist | § 84 SGG | 1 Monat | ab Bekanntgabe | | Klagefrist | § 87 SGG | 1 Monat | ab Zustellung Widerspruchsbescheid | | Berufungsfrist | § 151 SGG | 1 Monat | ab Zustellung Urteil | | Revisionsfrist | § 164 SGG | 1 Monat | ab Zustellung Urteil |
Besonderheit: Bei fehlender oder fehlerhafter Rechtsbehelfsbelehrung gilt eine Jahresfrist (§ 66 Abs. 2 SGG).
Eilrechtsschutz (§ 86b SGG)
| Antrag | Ziel | Norm | |---|---|---| | Anordnung der aufschiebenden Wirkung | VA hat keine aufschiebende Wirkung | § 86b Abs. 1 SGG | | Einstweilige Anordnung | Vorläufige Regelung eines Rechtsverhältnisses | § 86b Abs. 2 SGG |
Eilanträge in sozialgerichtlichen Verfahren (z. B. Grundsicherungsleistungen) sind häufig zeitkritisch — im Aktenauszug besonders hervorheben.
Amtsermittlungsgrundsatz (§ 103 SGG)
Das Sozialgericht ermittelt den Sachverhalt von Amts wegen. Beweisangebote der Parteien sind möglich, aber das Gericht ist nicht daran gebunden. Im Aktenauszug daher:
- Eigene Beweiserhebungen des Gerichts (ärztliche Gutachten, Aktenbeiziehungen) gesondert erfassen
- Beigezogene Behördenakten nennen
Besonderheiten im Aktenauszug
- Parteibezeichnungen: "Kläger/in" und "Beklagter" (Leistungsträger / Behörde)
- Streitgegenstand ist häufig ein Bescheid über Leistungsgewährung oder -versagung
- Leistungsart und Leistungszeitraum im Verfahrensidentifikationsblock aufführen
- Gutachten (ärztliche / berufskundliche) als eigene Kategorie in Beweismittel-Tabelle
- Kostenrecht: keine Gerichtskosten für Versicherte (§ 183 SGG)
> Quellenregel: Entscheidungen nur nach Prüfung einer amtlichen oder frei zugänglichen Quelle mit Gericht, Entscheidungsform, Datum, Aktenzeichen und tragender Aussage ausgeben.